Die Sozialstudie: Blitzglätte in Berlin

Naturereignisse regen ja immer zum Kollektivgedanken an. Heute Morgen kam in Berlin überraschend der Winter zu Besuch und freute sich über die Synchronität der fallenden Menschen auf den Straßen. Weil wir dann alle so sozial werden- rutschen ja alle den gleichen Weg lang- gibt man sich natürlich gern Tipps, wie man unbeschadet von A nach B kommt. Zur perfekten Knopperszeit verließ ich das Haus. Folgende Szenarien haben sich ereignet.

Typ A: Der nette Tippgeber.

Ich schnappte also mein Fahrrad und hab schon beim Schritt vor die Tür den ersten Lacher produziert, das Ding ist mir in guter Eislauf-Manier einmal quer über den Weg gerutscht. Schildkrötenartig erreichte ich mit Fahrrad die Gartentür. Dort kam mir ein netter älterer Herr auf seinem zum Laufrad umfunktionierten Rad entgegen: “Junge Dame, passen sie auf, Fahrradfahren ist heute keine gute Idee”. Netterweise wurde er langsamer, wahrscheinlich in stiller Hoffnung das er mit mir gemeinsam ein Stück weiter laufradeln könnte.

Weil ich aber dickköpfig und zu faul zum laufen war, hab ich dankend kehrt gemacht und den Hinterausgang aufgesucht. 100m weiter ist natürlich nicht glatt, die Klimazonen liegen in Berlin überraschend nah beieinander. Dort traf ich auf:

Typ B: Ich helfe, mein Ego freut sich.

An Hinterausgang gleiches Spiel. Fahrrad in der einen, gefühlte Kufen unter den Füßen und das Tor in der anderen Hand, kam eine sehr aufgekratzte Dame mit Cityroller (?!?)  auf mich zu, offensichtlich in ein Handytelefonat verwickelt, dass sie erfreulicherweise nur wegen mir unterbrach: “Fräulein, das Fahrradfahren können sie vergessen, das hab ich auch schon versucht und mich hingelegt, lernen sie draus!”. Völlig ergriffen von soviel mitmenschlicher Aufopferung hörte ich nur, wie die Dame weiter lief und in ihr Telefon säuselte: “Du tschuldige, ich musste gerade einer jungen Frau das Leben retten, die wollte doch tatsächlich Radfahren, gut das ich sie davon abgehalten habe, meinst du nicht auch?”. Wir Lernen also daraus, helfen kann man aus verschiedenen Gründen. Am schönsten ist es natürlich, wenn man sich am Ende noch damit brüsten kann, das freut auch den Freundeskreis. Wir sollen ja sowieso mehr Geschichten erzählen, warum also nicht von heroischen Heldentaten.

Wär ich mal gelaufradelt.

holt den Schlitten raus,

Sina

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