Karmakonten.

Ich mache mir recht viele Gedanken. Meist zu viele, und zu Themen, die ich lieber bleiben lassen sollte. Aber es gehört wohl zu den größten Leiden der Menschheit, dass man den Kopf nicht ohne externe und meist gefährliche Betäubung ausschalten kann. Deal with it. In letzter Zeit kommen immer mehr Gedanken zum Thema Karma auf die Agenda. Dank vieler Gespräche,  weiß ich nun, dass es zum Thema Karma so viele Meinungen, wie Eissorten gibt. Die populärsten (Vanille und Schoko) sind wohl:

1. Es gibt Karma.

2. Was man sendet, kommt zu einem zurück, nicht sofort, aber irgendwann.

Ich habe dazu mal eine kleine Anekdote aus meinem Leben. Ich fahre fast jeden Morgen mit dem Fahrrad zur U-Bahn. Immer wenn ich ankomme, sitzt ein Obdachsloser schon unter der S-Bahnbrücke. Er sitzt da, und manchmal würde ich ihm einfach einen guten Morgen wünschen, schließlich sehe ich ihn fast täglich. Wenn ich nicht gerade spätabends wieder zu meinem Rad zurück komme, sondern zur gängigen Feierabendzeit, sitzt er immer noch da. Letztens (es hat besonders doll geregnet und war sehr kalt) habe ich den Entschluss gefasst, ihm mein Kleingeld aus der Jackentasche zu geben. Doch dann, wie es so ist im Leben, habe ich einen Anruf bekommen, hatte es eilig und der Gedanke war genauso schnell vergessen, wie er gekommen war. Ich hatte einiges eingekauft und die Tüten an meinen Lenker gehangen. Kaum radel ich los, reißt die Tüte und das Innenleben ergießt sich auf die Straße in den Regen. Ich habe mich furchtbar geärgert, nicht über die nassen Sachen, sondern über mich. Ich wollte etwas in meinen Augen Gutes tun (was Gut ist oder nicht, ist streitbar und relativ und findet vielleicht in einem anderen Post noch einmal einen näheren Diskurs), habe es nicht gemacht und dafür die Antwort kassiert.

Ich weiß, ich weiß, das ist natürlich alles Auslegungssache. Zufall, Schicksal oder schlicht falsche Masseverteilung meinerseits. Aber ich finde, es ist ein passendes Beispiel. Es könnte Karma sein. Nun drängt sich die Frage auf, ob ich zu den Kandidaten gehöre, bei denen die Konten sofort und nicht erst in ferner Zukunft ausgeglichen werden, und ob das positiv oder negativ ist, dass ich für jede Handlung sofort und gleich bezahlen muss. Darauf habe ich selber noch keine Antwort gefunden. Ganz egal, ob man daran glaubt, oder nicht: Wie es in den Wald schallt, so schallt es hinaus. Jeder sollte mal das Experiment wagen freundlich zu sein, häufig kommt ein Lächeln zurück. Auch wenn das eigene Handeln nicht immer ethisch vertretbar ist, und es unfassbar schwer ist in der heutigen Zeit an seinen eigenen Moralvorstellungen festzuhalten, sollte man sich den Gedanken zu diesen Themen nicht verwehren. Denn Denken hilft, meistens zumindest.

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